Monatsrückblick September


Der September war ein Monat zwischen Schönheit und Erschütterung, zwischen Urlaub und politischer Klarheit, zwischen Kunst, Natur, Schreiben und der Frage, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.


Zeit in der Normandie


Unser Urlaub in der Normandie war eindrücklich. Diese Landschaft ist weit, licht und schön – und zugleich voller Erinnerung. Die Kriege sind dort präsent. Nicht nur in Bunkeranlagen und Museen, sondern auch in kleinen Zeichen am Wegesrand, auf Tafeln, in Hinweisen, in der Atmosphäre. Geschichte ist dort nicht vorbei. Sie ist spürbar. Und sie erinnert daran, was geschieht, wenn Menschlichkeit verraten wird.

Auch und besonders im Urlaub ist das Schreiben – immer auch frei und intuitiv – Teil meines Tages. In der Normandie lief ich früh am Morgen am Meer entlang, das jedes Mal anders aussieht. In Bewegung klären sich Gedanken, lösen sich oftmals Probleme und neue Ideen kommen, die ich dann, wenn ich zurückgekehrt bin, aufschreibe. Bewegung – egal, in welcher Form, ist Teil meines Coachings. Atem ist die Brücke zwischen Geist und Körper. Das intuitive Schreiben lässt Unbewusstes aufs Papier fließen und somit kann es betrachtet werden.
Immer wieder sehe ich, wie viel in Menschen da ist, wenn sie nicht sofort bewertet, korrigiert oder in Form gepresst werden. Schreiben kann ein Zugang sein – zur eigenen Stimme, zur Wahrnehmung, zu innerer Wahrheit.

Die Zeit im Urlaub, in den uns nur noch unser jüngstes Kind (15) begleitet hat, bietet immer auch die wunderbare Möglichkeit, mehr von sich und seinem heranwachsenden Kind zu erfahren. Im Alltag sind meistens alle mit ihren Sachen beschäftigt.


Politik?!

Zurück in Deutschland trafen mich die Wahlergebnisse mit Wucht. Ich machte ein Reel dazu und hatte damit sehr schnell Erstkontakt mit rechter Kommentarenergie. Von über 5000 Kommentaren habe ich genau drei gelesen. Dann war klar: No shit in. Keine Energie für Idiotie.

Ich habe mich jahrelang für keinen besonders politischen Menschen gehalten. Vielleicht, weil ich in den 80ern und 90ern in einer Atmosphäre von Sicherheit und Komfort aufgewachsen bin. Vielleicht auch, weil Politik für viele von uns lange wie etwas wirkte, das außerhalb des eigenen Lebens stattfindet. Heute sehe ich das anders. Ich denke oft an einen Satz meiner Geschichtslehrerin aus der Oberstufe: Wir alle sind zoon politicon – politische Wesen.

In diesen Zeiten ist jede Handlung politisch. Jede Äußerung. Auch jedes Schweigen. Haltung für Menschlichkeit zu zeigen, ist nichts Abstraktes. Es beginnt in Sprache, in Klarheit, in dem, was wir normalisieren – und in dem, was wir nicht normalisieren dürfen.

„Wehret den Anfängen“ klingt inzwischen fast wie eine Formel aus einer früheren Zeit. Die Anfänge liegen hinter uns. Jetzt geht es darum, nicht müde zu werden und einzustehen für Demokratie und Menschenwürde und die eigene Energie dennoch klug zu führen.

Nicht jeder Lärm verdient unsere Kraft.

Manuskript, Schreiben und Coaching

Auch mein Manuskript lief im September weiter – selbst im Urlaub, in kleinen Zeitfenstern. Feinschliff, Rückkehr in den Text, Weiterarbeit. Schreiben ist für mich nicht nur Arbeit, sondern immer auch eine Form von Erkenntnis. Das Schreibupdate kannst Du hier lesen.

Wenn ich schreibe und überarbeite – derzeit bin ich bei Letzterem – gibt es immer einen großen Sog. Die Zeit vergeht im Flug und ich muss strikte Zeitfenster einhalten, um noch mit meinen anderen Projekten und Aufgaben zurecht zu kommen, ohne mich zu überarbeiten. „Wann hast Du denn mal Zeit?“, fragte mich eine Freundin kürzlich. Sie hat einen festen Arbeitstag (den ich mir auch manchmal wünsche). Abgesehen von den festen Beratungs- und Kursterminen kann ich mir meine Zeit frei einteilen, was ja zunächst mal super klingt. Das bedeutet aber, dass vieles „zwischendurch“ passiert. „Mein Arbeitstag ist ein fließender Übergang“, sagte ich. In den flexiblen Zeiten, muss ich mich bewusst entscheiden und das bedeutet zwar Freiheit, aber auch immer wieder das klare Einschätzen von meinen eigenen Ressourcen. Glücklicherweise hat mein Umfeld dafür Verständnis, da ich es gelernt habe, klar zu kommunizieren. Und da bin ich wieder bei meinem Thema, das oftmals in meinen Coachings zur Sprache kommt: Klare Kommunikation. Das setzt natürlich voraus, dass wir uns selbst erst einmal klar sind darüber, was wir wollen, brauchen und eigentlich sagen wollen. Denn das Ungesagte schwingt immer mit. Ein wunderbars Werkzeug hierfür ist – denn auch ich musste es lernen – das „rausschreiben“. Intuitiv und frei am frühen Morgen mit dem ersten Kaffee ohne Nachzudenken aufschreiben: Wie geht´s mir physisch? Was flirrt mir durch den Kopf? Was ist wichtig heute?

Schreiben mit jungen Menschen

Ein Workshop mit Jugendlichen zwischen 12 und 15 Jahren war mir eine große Freude. Ich machte mir natürlich viele Gedanken im Vorfeld zum Aufbau dieses dreistündigen Workshops und überlegte, ob die Schreibzeiten nicht etwa zu lange seien, ob die Themen interessierten und so weiter. Doch es war eine so schöne und überraschende Erfahrung, die mich in meinem Konzept bestärkt hat:

Um „Warm zu werden“ begannen wir erst einmal mündlich frei zum Thema „Sommer“ zu assoziieren, so war schnell Neugier geweckt. „Das intuitive, freie Schreiben ist nichts anderes, als das, nur schriftlich“, sagte ich. Rechtschreibung, Grammatik, Stil sind völlig egal, alles darf geschrieben werden. Und es wurde geschrieben, und wie. Die Texte, die geteilt wurden, waren erstaunlich und wunderbar, der Austausch anschließend angeregt und schön. Dass weder vorgelesen werden muss, noch etwas rückgemeldet werden muss und wenn, dann einzig über die Wirkung des Geschriebenen, nahm auch hier, wie beabsichtigt, den jungen Schreiberinnen die Scheu vor Beurteilung und Wertung.

MeinAnliegen ist es, dass Menschen, hier natürlich junge Menschen, Zutrauen bekommen in ihre eigenen Kreativität, bevor all die Vorgaben und Vorstellungen kommen und die besten Ideen zunichte machen. Nicht zuletzt kann sich mit dieser Herangehensweise auch strukturierten Texten genähert werden. Im Oktober beginnt dazu ein Kurs zur Figurentwicklung, zum Plotten und zur Konzeption einer Geschichte. Ich freue mich außerdem, mit Schülern in einer AG zu schreiben.

Kunst und Kultur wirken

Was mich im September außerdem genährt hat, waren Kunst und Musik. Die freien Konzerte bei Fratopia in der Alten Oper Frankfurt waren ein Geschenk. Solche Räume erinnern daran, was Kultur vermag: Sie öffnet, weitet, verbindet. Kunst und Musik holen uns aus der Verengung heraus und erinnern an das große Bild.

Ein Besuch der Ausstellung Groenland is not for sale im Kunstverein Frankfurt erinnerte mich daran, worauf es wirklich ankommt: auf diesen Planeten, auf unsere Verantwortung, auf die Frage, welche Weichen wir jetzt stellen. Ein weiterer tiefer Eindruck war ein Workshop-Tag über die Bedeutung unserer Regenwälder, Wälder und der Natur insgesamt. Ein echter Eye-opener. Alles hängt mit allem zusammen. Dass so vieles von dem, was wir heute klimatisch erleben, seit Jahrzehnten vorausgesagt wurde, ist bitter. Und zugleich gibt es mir Hoffnung, dass Aufmerksamkeit und Bewusstsein langsam breiter ankommen und viele, wenn auch noch lange nicht genug, Projekte laufen, um unseren Planeten zu retten.

Healing Words

ist ein Projekt, das schon länger in mir reift, immer wieder an die Oberfläche drängt und Form annehmen will.

Die Welt braucht nicht noch mehr Wissen, Meinungen und Dauererklärungen. Sie braucht Menschen mit Tiefe. Menschen mit Mitgefühl. Menschen, die verbunden sind – mit der Natur, mit dem Wesentlichen, mit Gott, mit dem, was größer ist als sie selbst. Menschen, die nicht nur benennen, sondern wirklich berührbar sind.

In Healing Words möchte ich mit genau solchen Menschen sprechen und über sie schreiben. Menschen, die tief mit Natur und Gott verbunden sind – egal welchem Glauben oder ob überhaupt einem Glauben angehörend. Mich interessiert nicht das Etikett. Mich interessiert die gelebte Tiefe, die innere Ausrichtung, die Annahme dessen, dass wir eingebunden sind, in etwas viel Größeres, als unser kleines Menschenleben.Vielleicht braucht diese Welt gerade das dringender denn je:
nicht noch mehr Lärm, nicht noch mehr Meinung, nicht noch mehr Rechthaben – sondern mehr Tiefe, mehr Verbundenheit, mehr Menschlichkeit.

Notizen überall

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