Jahresrückblick 2025 – Ein wilder Ritt

Tired of waiting: Ein Song von Nomeanso, einer australischen Punkcombo der 1990-er Jahre, war mir von Anfang an des Jahres immer wieder im Kopf. Tu, was Du tun willst. Warte nicht auf was oder wen auch immer: So habe ich begonnen zu schreiben, so habe ich begonnen meine Vision vom Unternehmen „Embodied Writing“ umzusetzen. Dies wurde mir noch einmal klar, als ich diesen Jahresrückblick 2025 geschrieben habe: Nur so kann´s gehen, Pausen und Muße zwischendurch sind genauso notwendig wie das Vorangehen. Intensive Lebensphasen, die uns fordern, setzen unglaubliches Potenzial frei – ich durfte ganz schön staunen, was so alles „geht“, Dinge, die ich lange angenommen hatte, über den Haufen schmeißen und mich immer wieder neu einpendeln.

Was ich zu Beginn des Jahres 2025 dachte – Manchmal kommt es anders als man denkt

Klassische Vorsätze fasse ich schon lange nicht mehr. Ich blicke in das vergangene Jahr nicht unter dem unter der Überschrift: Was kann noch besser werden, was ist zu optimieren, sondern vielmehr, was hat mich getragen, was hat mich erfüllt. Was hat mir Energie geraubt und was darf ich verabschieden. Dennoch hatte ich für 2025 die ein oder andere Vorstellung, wie es laufen soll. Das Wort „Ziel“ klingt mir zu ambitioniert. Hier aber mal, was ich mir zu Beginn des Jahres gedacht habe:

  • Eigentlich wollte ich mein erstes Manuskript „Fatma“ veröffentlichen. Bislang habe ich keinen Verlag gefunden, im Selfpublishing werde ich es nicht publizieren. Im kommenden Jahr wird es als Blog hier auf meiner Webseite erscheinen.
  • Ein festes Vorhaben war es auch, einen Verlag zu finden, um meinen historischen Roman zu veröffentlichen.
  • Lange Zeit war ich unsicher, wie ich weiter schreiben soll, da ich im Sinn hatte, mehrere Bände zu schreiben. Bis ich ein tolles Gespräch mit einer Schreibmentorin hatte, die ganz klar sah, dass der vermeintliche zweite Band doch eigentlich zum ersten dazu gehört und auch als Ganzes geschrieben werden sollte.
  • Als sie das sagte, war es mir auf einmal auch klar. Wieder die Erkenntnis, wie wichtig es ist, sich einmal andere Perspektiven anzuhören. Das Jahr über saß ich kontinuierlich am zweiten Teil meines historischen Romans, bin nun vom Odenwald der 1930-er Jahre mit meiner Hauptfigur Anna (meine Großtante) in New York der 1940-er Jahre.

Start als Mentorin und Coach

Ich habe mich (noch) selbstständiger gemacht: Der Schreib- und Erfahrungsraum „Embodied Writing“ ist entstanden

Ende des letzten Jahres lud ich ein paar Frauen zu mir ein und stellte ihnen meine noch vage Idee meines „Embodied Writing – Schreib&Erfahrungsraum“ vor. Die Resonanz war sehr gut und ich spürte, dass mir das total Spaß macht und ich richtig Lust darauf habe. In welcher Form und wie genau, war mir noch nicht klar. Fazit: Ich habe mich auf den Weg gemacht und nicht nur einen Raum aufgebaut, sondern bildlich gesprochen, eine ganze Burg mit Burganlage. Noch befindet sie sich teilweise im Bau. Doch hey: Ich staune selbst. Die ersten Kurse sind gelaufen – online und auch in Präsenz. Hätte ich mir das vor genau einem Jahr erzählt, dann hätte ich es nicht geglaubt.

iner der besten Entscheidungen war es, mich mit meinem Businessaufbau von Christina Sternbauer unterstützen zu lassen. Nun ist neben meinem Offline Angebot auch ein Online-Business entstanden, neue Ideen sprudeln und ich habe eine Menge von inspirierenden Menschen kennengelernt. Wir unterstützen und inspirieren uns gegenseitig. Das Ganze formt sich in einen größeren Rahmen, als ich es mir hätte erträumen lassen. Ich bin gespannt, was sich im kommenden Jahr entwickeln wird.

Steffi Seiler Embodied Writing

Embodied Writing verbindet Schreiben mit Atem, Körperwahrnehmung und bewusster Präsenz.
Es ist eine Methode, die dich raus aus dem Kopf und hinein in dein Erleben führt – dorthin, wo Klarheit entsteht.

Beim intuitiven oder assoziativen Schreiben geht es nicht um schöne Texte oder Leistung.
Es geht darum, Unsichtbares sichtbar zu machen: Gedanken, Gefühle, Spannungen, Wünsche, innere Wahrheiten.
Durch das Schreiben mit der Hand entsteht ein direkter Zugang zu dem, was in dir wirkt.
Das kann entlasten, ordnen, stärken und neue Perspektiven öffnen.

In meinen Sessions arbeiten wir mit einfachen Atem- und Körperübungen, die den Zugang zum Schreiben erleichtern.
Wir schreiben auf Impulse, alles darf da sein: Sätze, Worte, einzelne Fragmente – ohne Bewertung, ohne Druck, perfekt unperfekt.
Auf Wunsch liest du vor, musst es aber nicht. Das Feedback der Gruppe darf ausschließlich positiv sein und über die Wirkung Deiner Worte gehen.

Embodied Writing ist eine klare, wirksame Form der Selbstreflexion:
ein Weg, dich selbst besser zu verstehen und deine innere Stimme deutlicher zu hören und zu staunen, was in Dir schlummert. Unglaublich vieles fließt in nur zehn Minuten Schreibzeit aufs Papier und macht nicht selten eine Welt offenbar, die vielleicht als Geschichte ausgebaut werden wird.

Die ersten Workshops und Schreibsessions sind erfolgreich gelaufen – sowohl online als auch in Präsenz. Das Marketing, das Copywriting die Schärfung der sogenenannten Positionierung kosteten Zeit und Mühe, aber haben sich durchaus gelohnt. Immer ist es auch ein innerer Prozess und ein Lernen. Britta von Bezold hatte mir zu Beginn des Jahres ihr ausgebautes Gartenhaus in Aussicht gestellt. Im Sommer konnte mein erster Kurs im wunderschön gelegenen und topmodern renovierten Haus von ihr und ihrem Mann stattfinden.

Erster Kurs im Business Bullerbü

Schreiben

Romane, Kurzgeschichten, Blog und andere Texte

Das Schreiben ist mein Medium und wie ich jetzt lernen durfte, auch das Sprechen. Meine Schreibprojekte gedeihen weiter. Auch wenn ich dieses Jahr weniger Zeit für meine literarischen Arbeiten hatte, so habe ich doch kontiuierlich weitergeschrieben – Szenen für meinen Roman sind endstanden, wurden aufnotiert, gerade bin ich dabei, all das, was ich handschriftlich und zumeist in meiner ersten Schreibzeit am frühen Morgen aufgeschrieben habe, ordentlich in einen Szenenplan, bzw. in eine Outline zu schreiben – manches ist schon glasklar und detailliert, manchmes nur entwurfmässig umrissen.

Mitte Oktober merkte ich, dass mein historischer Roman nun rund wird. Anfang 2026 werde ich das Fertigschreiben der ersten Fassung priorisieren. Danach gehe ich in die Recherche – bzw. Nachrecherche, bevor ich beginne zu überarbeiten. Welche Mode war aktuell in den 1940-er Jahren in den USA, wieviele Autos/Straßenbahnen fuhren? Welche Stadtteile New Yorks waren von wem bewohnt und sahen wie aus? Das alles hilft mir, die entstehende fiktive Welt meiner Hauptfigur plastisch zu machen und mich einzufühlen in die mögliche Stimmung, die damals herrschte. Recherchearbeit ist durchaus einfacher geworden – vor 30 Jahren noch musste man deswegen Wochen in den entsprechenden Bibliotheken zubringen (was auch Vorteile hatte). Das Internet birgt so unglaublich tolle Möglichkeiten, leicht an Information zu kommen. Dennoch habe ich den Anspruch (auch, wenn ich durchaus google und KI befrage für einen groben Überblick) in die Tiefe zu gehen. Und das geht nur mit tieferem Lesen, noch mehr Lesen, Songs hören, die zu dieser Zeit populär waren und mich an all die Sachen erinnern, die ich aus Erzählungen von meiner Mutter weiß, die diese Zeit – zwar nicht in New York, aber immerhin – lebenhaft vor Augen hatte. Immer entstehen verschiedene andere Texte, wie z. B.Frankfurter Hauptbahnhof. Manchmal werden dazu ganze Serien, wie z. B. bei Meda Mildenberger

Schreiben für die Presse

2025 war ich als freie Journalistin viel für die Rhein-Neckar-Zeitung unterwegs. Rund um Heidelberg berichtete ich über verschiedensten Veranstaltungen. Ob es nun das Berichten über die Feuerwehrhauptversammlung, das Besuchen einer Lesung, einer Ausstellung, eines Konzerts war, all das bereichert meinen manchmal sehr abgeschiedenen Alltag.

Seit einem Jahr schreibe ich auch über die Kommunalpolitik, ein Thema, was mich zu Beginn so gar nicht angesprochen hatte. Aber hey: Ich habe einfach mal ausprobiert und habe nun eine andere Perspektive gewonnen. Nicht immer sind die Sitzungen spannend oder unterhaltsam, aber geben doch Einblick in urdemokratisches Wirken. Sowieso empfinde ich die Arbeit als bereichernd: Ich bekomme Einblicke in zahlreiche Engagements kultureller und politischer Art, von denen ich früher nicht erfahren hätte – ganz ehrlich: Weil es mich teilweise auch nicht interessiert hat. Die Region, in der ich nun schon lange lebe, erscheint mir nun nicht nur im anderen Licht, sondern ist erhellt wie durch einzelne Spots, lassen mich andere Perspektiven und Ansichten erfahren. Und Perspektivwechsel ist immer hilfreich.

Inner work: Yoga Praxis, Atemarbeit, Meditation

Kontunuierliche Praxis gehört fest zu meinem Alltag, lässt mich immer tiefer tauchen, Ruhe finden und Klarheit bekommen. Das ist für mich wie das Laufen und der übrige Sport maßgeblich wichtig. In der physischen Anstrengung – oder Konzentration bei Yoga und Meditation – relativiert sich alles, ich kann Prioritäten setzen und Grenzen ziehen. Das ist es auch, was ich in meiner Arbeit als Coach/Mentorin weitergebe. Das intuitive Schreiben ist ein Teil davon.

Seit mehreren Jahren beschäftige ich mich immer wieder mit Religion, mit Glaube im allgemeinen, mit Buddhismus gerade besonders. Verankert und geprägt bin ich durch das Christentum. Für mich ist die Anbindung an Transzendenz/Gott/Universum maßgeblich, egal unter welcher Religion oder spirituellen Praxis. Ich besuchte Masterclasses über Heilyoga und Tummo (Feueratem) bei Tulku Lobsang, einem buddhistischen Mönch.

Keep on writing – keep on running.

Schreiben und laufen gehören nach wie vor zu meinem Leben. Selbstverständlich. Ich habe erkannt, dass das Draußen-sein und in Bewegung zu meiner Arbeit dazugehören. Laufen, Bewegung allgemein ist für mich nicht „nur Ausgleich“, manchmal dachte ich sogar „Aufschieben“, sondern genau da kommen viele Ideen, nehmen Form an und es hilft mir, sie umzusetzen. Sowohl für meine Bücher und Texte, als auch für mein Coachingunternehmen, was ich aufgebaut habe und noch dabei bin. (Waldbild – ich im Wald) Klar, ist es Sport – aber es ist auch Meditation für mich. Die Kombination Natur und Bewegung fährt mein Nervensystem runter, ich komme aus dem Stressmodus raus, kann durchatmen und sehe klarer.

Baustellen aller Art

Wir wohnen in einem Haus, erbaut 1929. Wunderschön und eigentlich ganz ordentlich renoviert schon bei unserem Einzug vor vielen Jahren – zumindest teilweise. Aus welchem Jahr das Bad im unteren Stock stammt? Ich schätze aus den Fünfzigern. Und zwar toll retro, aber hier und da schon sehr bedürftig – vor allem das einmal verglaste Fenster, aus dem wir fleißig im Winter rausheizten. Im Sommer also war´s soweit: Wir entschlossen uns, das Bad vollständig renovieren zu lassen. Alles raus. Unser befreundeter Nachbar, Fliesenlegermeister, organisierte die ganzen Handwerker vor Ort (die man als Normalsterblicher nicht ans Telefon kriegt) und schnell war der Plan klar: Bis Ende August können wir in Eigenarbeit die Fliesen runterhauen, hatten dafür zwei Schlagbohrer von der einen Firma zur Verfügung gestellt bekommen. Zwei unserer Söhne arbeiteten mehrere Tage ausgerüstet mit Schall- und Staubschutz. Wir schleppten den Schutt die Treppen runter. Dann kam die Urlaubszeit und es war klar, dass das Bad sicher nicht fertig ist, wenn wir Mitte September wiederkommen. Spoiler: Es ist erst kurz vor Weihnachten fertig gewesen). Glücklicherweise haben wir im 1. OG ein kleines Bad. Immerhin. Manches dauert eben länger als es soll. Die einzelenen Gewerke sind total überlastet – Stück für Stück ging es dennoch voran.

Zeitgleich vor unserem Haus: Eine riesige Baustelle, aufgerissene Straße „Achdung, falle se ned ins Loch“, war die Begrüßung an manchem Morgen, wenn ich die Treppen runterkam. Heute ist der erste Tag, an dem ich … lausche und das Bagger- und Rüttlergeräusch vergeblich suche. Die Stimmung aufgrund allpräsenter Baustellen war meistens relativ entspannt bis genervt. Vor allem, da wir unser Auto immer sonstwo parken mussten. Aber hey: Ich weiß schon, dass das Jammern auf hohem Niveau ist. Aber Jammern ist es trotzdem.

Die ersten Male 2025

  • Ich war zum ersten Mal mit einem schweren Mehrtagesrucksack in den Bergen unterwegs. Eine Sache der (Rucksack-) Einstellung: Jahrelang habe ich mich davor gescheut, um meinen oft verspannten Nacken nicht noch mehr zu strapazieren, denn schon alleine ein Tagesrucksack hat mir oft Probleme gemacht.

Zum ersten Mal habe ich mit dem Thema „eigenens Unternehmen gründen“ auseinandergesetzt und kam sofort in die Umsetzung.

  • Ich habe zum ersten Mal mit einem Schlagbohrer Fliesen runtergehauen und einen Tag lang Schutteimer geschleppt.
  • Meine ersten Kurse mit viel Spaß angeleitet.

Eine Lesung in größerem Rahmen gehalten.

Was habe ich 2025 über mich gelernt?

Ich bin mehr und mehr in die Selbstführung gegangen – wenn es schwierig wurde, insbesondere in meinem Businessaufbau, hab ich mich immer gefragt, wo ich eigentlich hinwill und dann mit einem „Na also“ geantwortet.

Konsistente Praxis, egal bei was, trägt Früchte: Das weiß ich vom Schreiben und vom Laufen. So ist es auch bei Meditation und innerer Arbeit allgemein. Schon seit Jahren begleitet mich Nives Gobo auf diesem Weg. Aktuell meditiere ich täglich mit ihren wertvollen Impulsen.

Mir liegt die Arbeit mit Menschen. Ich habe Wertvolles, wirklich Substanzielles zu geben, das Leben verändert und bereichert.

Ich muss nicht alles kontrollieren, erst recht nicht mich verantwortlich fühlen für das, was andere denken und fühlen. Man muss nicht jedes Bier trinken, das vor einem steht und das gibt Freiheit.

Wenn ich etwas ändern möchte, dann tu ich das. Veränderung beginnt immer in einem selbst.

Bis zur Erschöpfung zu arbeiten ist phasenweise okay, doch maßgeblich wichtig ist, sich ohne Scham die Freiheit zu nehmen, auszuruhen, sein zu lassen und zu integrieren, was man gelernt hat.

Ich habe reichliche Glaubenssätze, die ich mit mir rumgetragen habe, erfolgreich aufgelöst. Vorstellungen davon, wie etwas zu sein hat, wie etwas zu funktionieren hat, wie ich zu sein habe – als Frau, Mutter und Mensch.

Ich habe gelernt, nicht immer alles erklären und zerdenken zu wollen, kann Dinge einfach mal so stehen lassen und meiner Intuition vertrauen.

Abschiede gehören zum Leben dazu. Auch Schmerz, Traurigkeit und Ohnmacht. Sie dürfen Raum haben, angenommen werden und müssen nicht wegoptimiert werden. Manche Freundschaften sind auseinandergegangen, neue Menschen in mein Leben gekommen. That´s life

Das kannst du auch nicht mit jeder Mutter machen

Die Liebe zu den Bergen und zum Wandern habe ich bislang nur an meinen einen Sohn weitervererbt. Joshua, mein ältester Sohn ist 28 und Vater einer wunderbaren Tochter. Sein Ausgleich zu Job und Familie ist es, zu wandern und zu biken (bei mir war es das Laufen, das ich begann, als er so alt war wie seine Tochter jetzt). Ich freute mich besonders meinen jährlichen Wanderausflug in die Schweizer Alpen mit ihm anzutreten. Das Wetter war mäßig, die Route anspruchsvoll. Viele Jahre laufen und Sport machten sich auch dieses Mal bezahlt. Zwar kam ich ganz schön an meine Grenzen, aber es war unvergleichlich toll. Anspruchsvoll. Der Satz von Marika Schmidt, Personaltrainerin und Trailrunnerin – mit ihr schrieb ich mein erstes Buch Faszination Trailrunning, „Klar musst Du eine gute Grundkondition haben, aber 80% macht das Mindset aus auf langen Läufen.

Gelaufen sind wir zwar nicht, aber heftig aufgestiegen, lange steil und in manchen Momenten war ich ziemlich froh, dass Nebel die steilen Abhänge verdeckte, die ich runterstürzen hätte können (z. B. aus dem Gleichgewicht gebracht durch den schweren Rucksack). Und wie im übrigen Leben gilt: Achtsam Schritt für Schritt, mit Energie haushalten und im Hier und Jetzt sein. Die Gedanken machen den Unterschied. Wenn ich jeden Schritt denke: Oh Gott, das schaff ich nicht, dann wirds schwierig. Aber das hab ich lange genug geübt. Auch Teil meines „Embodied Writing“, Bewusstwerdung der eigenen Gedanken und kapieren, dass es eben nur Gedanken sind. Es war eine besondere und schöne Wanderung und eine Grenzerfahrung. Die Berge lassen mich still werden, mich aufs Wesentliche konzentieren, dankbar sein für ausreichende Nahrung, ausreichende Kraft und bewusstes Wahrnehmen.

Historischer Urlaub in Apulien

Zum ersten Mal seit vielen Jahren sind wir nur mit einem Kind in Urlaub gefahren. Das andere, das noch zu Hause lebte, war schon auf dem Absprung ins Studium in Freiburg und wollte die verbleibende Zeit lieber mit seinen Freunden hier in Heidelberg verbringen. Unser jüngstes Kind, 14, war erstmal nicht begeistert. Inmitten eine Geschwisterschar geboren, war es nicht einfach, so ohne Verstärkung mit uns Eltern zu fahren. Es wurde dennoch ein richtig schöner Urlaub. Ich nenne ihn „historisch“. Vor 26 Jahren waren wir zuletzt im Salento, im südlichsten Teil von Italien, verbrachten dort eine Woche mit meiner Schwester und ihrem Mann – am Ferienort, an dem wir damals auch gemeinsam waren – mit dem ersten Kind und dem zweiten Kind schwanger. Dieses Mal ein Zeitalter später: Unser ältester Sohn hat nun schon selbst eine Familie, die Übrigen sind erwachsen bis auf unseren 14-Jährigen.

September in Süditalien ist traumhaft: Noch sehr heiß zuweilen, aber es kühlt nachts schon ab, das Meer ist warm und wunderbar. Wir besuchten ein Tarantella Konzert, das mich tief berührte. Am Strand finden in dieser Zeit in mehreren Gemeinden Konzerte dieser lokalen Musiktradition statt und finanzieren diese. Jeder darf dazukommen, zuhören, tanzen. Eine ganz besondere Atmosphäre, ein buntgemischtes Publikum aus dort Ansässigen, ganzen Familien, jung und alt, Touristen und Gäste. Alles sehr selbstverständlich und unaufgeregt, dabei doch so tief beeindruckend.

Die zweite Woche verbrachen wir ein paar 10 Kilometer weiter nördlich bei unseren Freunden – die hier in der Nähe von Heidelberg leben, aber im Sommer für mehrere Wochen in der Heimatstadt des Mannes verbringen. Seine Frau und ich kennen uns schon seit Studienbeginn und uns verbindet eine sehr lange Freundschaft – im Sommer fahren wir dann 1600 km, nicht zuletzt, um einmal in Ruhe Zeit miteinander zu verbringen. Auch hier: Traumhaftes, klares Meer. Ich lief morgens oft an der Küstenstraße entlang, um mich die Macchia voller Kräuter, die dufteten. Blick aufs Meer, das immer, immer anders aussieht. Wie der Himmel über mir.

Im Alltag laufen wir oft nebeneinander her, jeder mit seinen Aufgaben und Interessen. Und Liam viel mit seinen Freunden. Im Urlaub gab es Raum, den anderen wieder wahrzunehmen. Einblicke zu kriegen, in das, was gerade abgeht, Einblicke in die Wahrnehmung und das Leben eines jungen Heranwachsenden. Wir hörten stundenlang Nirvana und Radiohead auf der Heimfahrt – eine Gemeinsamtkeit durch die zwei Generationen.

Sorge und Zweifel

Kleine Kinder kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen. Dieser Satz war mir dieses Jahr immer wieder präsent. Das Erwachsenwerden ist nicht einfach – gut erinnere ich mich an meine Zeit Anfang Zwanzig. Als Mutter jungerwachsener Kinder kann ich da sein, für Rat und Unterstützung zur Verfügung stehen, aber den Weg müssen sie alleine finden. Das Wort „zersorgen“ ist aus dem Sprachgebrauch verschwunden. Doch es trifft so gut den Zustand, in dem ich mich manchmal befinde. „Das Einzige, was ich für Dich tun kann ist beten“, sagte meine Mutter damals zu mir. Ich lehnte das ab, wie vieles, doch heute kann ich das nachvollziehen. Jeder hat seinen Weg – wir können als Eltern begleiten doch vor allem ist es eine Übung des Vertrauens ins Leben, dass wir weitergeben können. Ein schmaler Grat zwischen Eingreifen-wollen und Loslassen.

Auch Zweifel gehörte dieses Jahr zu meinem Leben: Schaff ich das? Bin ich gut genug? Ist es relevant, was ich tue? Für wen? Wird das, was ich tue, wirklich erfolgreich sein? Ich habe gelernt das zuzulassen. All das darf sein, ist genauso Teil von mir, auch wenn ich nicht immer und sofort verstehe, warum sich manche Dinge so und so entwickeln. Immer wieder Vertrauen zu schöpfen und sein zu lassen.

Omi

Meine Schwiegermutter, zeitlebens tatkräftig und sehr unternehmensfreudig, ist an Demenz erkrankt. Schlimm. Die Schwester meines Mannes trug den Hauptteil dieser schwierigen Phasen im Sommer und im Herbst. Sie lebt im Nachbarort und hat es nicht weit, um nach dem Rechten zu sehen. So lange wie möglich wollte sie auf den Wunsch Rücksicht nehmen, zu Hause zu leben. Sie orgenanisierte eine Begleitung, die Tag und Nacht bei Omi war. Doch das klappte nicht immer gut und oftmals musste Streit geschlichtet und dennoch nach dem Rechten gesehen werden. Eine fast unstemmbare Aufgabe für die Schwester meines Mannes, die im Krankenhaus im Schichtdienst arbeitet.

Nach einem Krankenhausaufenthalt ging es schließlich nicht mehr anders, als sie in einem Seniorenheim unterzubringen. Eine kundige Nonstopbetreuung war nötig geworden. Eine schwere Entscheidung, ganz besonders für die Kinder. Zumal Omi immer unglaublich rührig war und alles organisiert und gemanagt hat; sie zog ihre zwei Kinder alleine auf, ging arbeiten und war voller Lebensfreude. In den 1970-er Jahren war das Leben einer geschiedenen arbeitenden Mutter sicher noch mal sehr viel härter und unangenehmer. Da sie schon zweimal in der Woche in der Tagespflege war und dorthin immer gern gegangen ist, fiel der Übergang nicht so schwer. Aber immer noch schwer genug. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich vor Jahren einmal mit ihr sprach darüber, wie es mal sein wird, wenn sie auf Hilfe angewiesen ist. Ich sagte, „dass wir uns das ja alle nicht aussuchen können“, dachte, dass es besser ist, sich zumindest einmal darüber Gedanken zu machen, doch gleichsam merkte ich, dass sie darüber nicht sprechen oder nachdenken wollte. Einfach umzufallen und tot zu sein kann passieren, muss aber nicht. Ich möchte mich damit früher auseinandersetzen, mir Gedanken dazu machen, wie Plan B oder C aussehen könnte, damit ich´s noch okay finde. Aber ob ich das dann so cool machen kann, weiß ich auch noch nicht.

Familie – Das Leben ist Wandel

Auch unser viertes Kind und unser dritter Sohn ist zum Studium ausgezogen. Damit leben drei unserer Kinder in Freiburg, unsere Tochter hat ihr Studium in Saarbrücken beendet und wohnt nun wieder für ein paar Monate bei uns, um im Mai nach Australien zu reisen, zu arbeiten und sich zu entscheiden, wie es beruflich weitergehen wird. Unser jüngstes Kind ist 14 – in eine große Geschwisterschar hineingeboren – hat nun zumindest zeitweise wieder geschwisterliche Verstärkung.

Für mich als Mutter ist es wunderschön zu erleben, wie unsere Kinder regelmäßig bei uns zusammenkommen, wie jetzt über die Feiertage. Wenn wir Eltern längst im Bett liegen, sitzen sie zusammen und sind auch das Jahr über eng in Kontakt. Das empfinde ich als unglaublichen Reichtum. Sie gehen ihrer Wege – finden sich ein in ihrem Leben, was sicher bisweilen nicht einfach ist – sie unterstützen sich gegenseitig.

Für meinen Mann Alex und mich entsteht neuer Raum – für jeden einzeln, als auch gemeinsam.

See und das Draußen-Sein – das, was mich nährt

Immer wieder See – obwohl ich eine Weile mit dem Auto unterwegs bin, liebe ich es, zum „See“ zu fahren. Einen Altarm des Rheins in der Nähe von Karlsruhe. Ein paar Stunden dort sind für mich wie ein Kurzurlaub, egal bei welchem Wetter (das gilt auch für den Wald, in den ich glücklicherweise in ein paar Minuten bin). Das Draußen-Sein lässt mich zur Ruhe kommen, oftmals entsteht Klarheit. Damit und mit dem Schreiben.

„Bedenke, dass Du sterblich bist“

Der Satz, den ein Sklave, den Lorbeerkranz über den Triumphator haltend, den Triumphzug hindurch dem Kaiser unablässig flüsterte. Dies ist auf den Reliefs der Triumphsäulen in Rom zu sehen.

Die schwere Erkrankung meiner Schwester hat mich auch dieses Jahr beschäftigt und läßt Dinge in mir anklingen, die mich wieder als kleine Schwester fühlen lassen. Der Gedanke daran, dass sie unheilbar krank ist erfüllt mich mit Verzweiflung und Ohnmacht. Gleichsam ist über die Zeit eine noch größere Nähe in einer anderen Dimension zwischen uns entstanden. Sowieso haben wir eine enge Verbindung. Auf ihre Frage „Wie ist das für Dich, dass ich so krank bin?“, antwortete ich ohne nachzudenken: „Der Tod sitzt immer mit am Tisch, egal bei wem. Nur wir wissen es.“ Üblicherweise schauen wir lieber nicht hin und ich nehme mich da nicht raus. Vor ein paar Jahren sah ich einen Beitrag von Kay Pollack, einem schwedischen Filmregisseur, der sagte, er beginne jeden Tag mit dem Gedanken: Heute ist der erste Tag vom Rest meines Lebens. Das fand ich zunächst befremdlich, aber der Satz blieb mir hängen. Immer wieder dachte ich daran und merkte, dass sich dadurch meine gesamte Wahrnehmung ändert. Jeden Tag, den wir leben, kommt der Tod ein Stück näher. Wenn wir uns darüber bewusst sind, wird jeder Augenblick kostbar und mit einer anderen Perspektive erlebbar. Was das kommende Jahr bringen wird? Wie meine Schwester die wieder notwendigen Therapien vertragen wird? Ich weiß es nicht und ja, ich habe Angst, spüre Trauer, Verzweiflung, Ohnmacht. Was bleibt, ist die Annahme, nicht zu wissen – und da zu sein, in aller Präsenz und in aller Liebe. Es erfordert Mut und ein klares Ja zum Leben und zum Tod.

Was ich im alten Jahr lassen werde:

Dinge zu zerdenken – mit allen Eventualitäten. Es kommt wie´s kommt und dann reicht es immer noch sich Gedanken darüber zu machen.

Mich verantwortlich für jedwelche Befindlichkeit anderer Menschen zu fühlen

Harmonie glauben schaffen zu müssen um jeden Preis.

Zu vage zu sein in meinen Aussagen, um bloß niemanden zu verprellen.

Mein Ausblick in 2026

Im Januar werde ich konzentriert an der Fertigstellung meines historischen Romans weiterarbeiten und meine Schreibchallenge betreuen: 30 Tage lang Schreibimpulse, einmal die Woche einen Zoom mit Austausch und Feedback.

Ich werde mich mit indigenem Wissen, Welt und Waldschutz befassen – und darüber schreiben.

Ich werde mein Projekt „Healing Words“ in die Welt bringen.

Freue mich auf neue Begegnungen, Inspirationen und Ideen.

Ich bin offen und interessiert an Zusammenarbeit! Embodied writing richtet sich nicht nur an Schreibende oder Kreative, sondern ist ein wertvolles Werkzeug, um Klarheit zu gewinnen und Krisen zu meistern. Gekoppelt mit Embodiment – sanfter Körper- und Atemarbeit kann es verschiedene Therapien kraftvoll unterstützen.

Schreib mit mir:

Mitte Januar starte ich einen Schreibchallenge: Intuitives Schreiben auf Impulse, 30 Tage, einmal die Woche einen Zoom zum Austausch und Feedback. Das Ganze ist kostenfrei.

Im Frühjahr biete ich meine Masterclass „Heldenreise“ an. Klick hier auf mehr Infos.

Du schreibst selbst und kommst nicht weiter? Lass uns gerne sprechen. Kontaktiere mich per Mail.

Um auf dem Laufenden zu bleiben über alle Projekte, lade ich Dich ein, meinen Newsletter „Briefe vom Waldrand“ zu abonnieren. Keine Angst, er kommt allenfalls alle paar Wochen 🙂


3 Gedanken zu „Jahresrückblick 2025 – Ein wilder Ritt“

  1. Liebe Stefanie,
    im Facebook-Post von Judith bin ich direkt unter deinem Post gelandet.

    Also bin ich hier gelandet … und finde deinen Rückblick – insbesondere das Thema Schreiben, intuitives oder assoziatives Schreiben hat mich angesprochen. In meinem Rückblick denke ich für 2026 über das Schreiben nach, und habe tatsächlich gestern nach dem Stichwort FreeWriting gesucht. Ich denke, ich schaue mal in deiner Facebook-Gruppe hinein. Und sehr gespannt bin ich auf dein Projekt Healing Words.

    Ich wünsche dir ein großartiges Jahr 2026, wie auch immer es aussehen wird.

    Liebe Grüße, Martin

  2. Liebe Stefanie, danke für einen so wundervoll geschriebenen jahresrückblick. Ich habe mich hier und da wiedergefunden.
    Besonders in den, was du in 2025 zurück lassen möchtest.

    Dinge zu zerdenken – das kann ich auch. Davon möchte ich auch weniger in 2026 haben.

    Mich verantwortlich für jedwelche Befindlichkeit anderer Menschen zu fühlen – Das habe ich mir letzten Jahreswechsel schon vorgenommen. Und hat in 2025 super geklappt.

    Ich wünsche dir von Herzen, dass ganz viele deiner Wünsche in Erfüllung gehen.
    Liebe Grüße Manuela

  3. Liebe Stefanie!

    Dein einleitender Absatz sprach mich direkt an. Denn dass eine gesunde Mischung aus „Ins Tun kommen und umsetzen“ und „Sich Pausen gönnen“ wichtig ist, merke ich aktuell auch für mich.

    Ich wünsche dir viel Erfolg bei der Fertigstellung deines Romans! Und natürlich: Ein gutes neues Jahr!

    Liebe Grüße,
    Heidi Stadler

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