Meda Mildenberger 8

Beschwingt steige ich die Treppe zu meiner Wohnung nach oben. Ich nehme zwei Stufenauf einmal und keuche etwas. Vor der Tür steht in einer großen Vase ein phantastisch bunter Spätsommer -Blumenstrauß.

Die Tür nebenan geht auf und Frau Leutmann steht vor mir. „Ich hab mal die Blumen in eine Vase gestellt – wäre schade um die Pracht“, sagt sie. Ihre Haare schimmern bläulich wohlfrisiert. Der Lippenstift ist in einem Mundwinkel etwas verwischt. „Mann o Mann Meda, Sie haben ja einen Verehrer!“ Sie verschränkt die Arme und zieht ihre akkurat geschminkten Augenbrauen nach oben.

Ich spüre Hitze in meine Wangen steigen.

„Wollen Sie nicht einmal wieder auf einen Kaffee zu mir rüber kommen?“ Ich höre Neugier in ihrer Stimme.

„Gerne, Frau Leutmann, das machen wir die Tage.“

Über ihr Gesicht geht ein Strahlen. Sie ist eine echte Lady der alten Garde. Schon zum Frühstück wie aus dem Ei gepellt. Der Inbegriff von Contenance. Aber eine Seele von Mensch, die schon mal vor Rührung ein Tränchen im Auge hat.

„Ich klingel dann durch, okay? Dann gebe ich Ihnen die Vase zurück.“

„Das eilt nicht.“ Sie lächelt mich an und haucht einen Kuss in meine Richtung, was seltsam schrill aussieht.

Auf dem Tisch prachtet noch der andere Strauß vor sich hin und zeigt keinerlei Ermüdungserscheinungen. Ich betrachte den neuen, den ich in der Vase in der Hand halte. Auch der war ordentlich teuer. Kein Null-acht-fuffzehn Strauß vom Edeka.

Sonnenhut, Hortensie und Sommerflieder, die Namen der anderen Blumen kenne ich nicht.Eine Karte fällt zu Boden, als ich ihn neben den anderen platziere.

Mittwoch Abend im Cello? Bitte sag Ja.

Es kommen noch ein paar Freunde mit, ich hoffe, das ist Dir recht.

 

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